Titelthema der Ausgabe April/Mai 2012
Computer- und Internetsucht
Eine neue und bislang unterschätzte Suchtform entsteht
Rund 560.000 Menschen sind in Deutschland laut offiziellen Zahlen online-süchtig, die Dunkelziffer liegt jedoch um ein Vielfaches höher. Manche Experten sprechen von mindestens 10 Prozent der Bevölkerung. Sie haben die Kontrolle über ihren Computer verloren, verbringen Stunde um Stunde vor dem Bildschirm mit Chatten oder Spielen. Jugendliche sind dabei besonders gefährdet, jedoch nicht die einzige gefährdete Gruppe.

Das Netz ist aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken. Mehr als 90% aller Jugendlichen
nutzen regelmäßig das Internet. Die Nutzung ist dabei sehr unterschiedlich gestaltet.
Oft ist Kommunikation der Grund das Internet zu nutzen, Stichworte sind hier Social Media,
also soziale Netzwerke wie Twitter, Facebook, SchülerVZ und Co. Diese Nutzungsmöglichkeiten
sind für Kinder und Jugendliche wichtige Medien um sich zu sozialisieren. Ohne Teilnahme in
sozialen Netzwerken ist eine Teilnahme am sozialen Leben der Klasse oder im Freundeskreis
nur noch schwer möglich.
Ein anderer wichtiger Grund zur Nutzung des Internets ist Unterhaltung. Clips und Musik im Netz sind favorisierte Beschäftigungen. Die Nutzung erfolgt häufig in Verknüpfung mit den oben erwähnten sozialen Netzwerken. So ist es zum Einen möglich mit Freunden das zu teilen, was man selbst gern hört, aber auch sich selbst durch seinen Musikgeschmack zu profilieren.
Gefährdungen durch Internetnutzung
Diese Aspekte des Internets können durchaus als kommunikativ, interaktiv und sozial bezeichnet werden. Allerdings hat das Internet auch Schattenseiten für Jugendliche und besonders für Kinder, da viele Inhalte nicht für diese geeignet sind und/oder eine sehr starke Anziehungskraft auf diese ausüben. So ist zum Beispiel bekannt, dass sehr viele Jugendliche bereits pornographisches Material konsumieren, bevor dies für sie eigentlich zugänglich sein sollte. Das Internet bietet für Kinder und Jugendliche also erhebliche interessante Betätigungsfelder und die Verbindung mit realen Freunden eröffnet zunehmend neue Möglichkeiten nicht nur selbst Unterhaltung und Informationen zu finden, sondern auch mit anderen in Kontakt zu kommen. Da diese Aktivitäten sehr attraktiv sind und den Nutzern Spaß bringen ist es allerdings auch möglich, dass sich eine Sucht entwickelt.
Liegt eine Sucht vor?
Wie wird Internetsucht zu definieren sein? Zu allererst handelt es sich hier um eine nicht stoffgebundene Sucht, ähnlich der Kauf- oder Spielsucht. Diese Süchte haben gemeinsam, dass das Belohnungszentrum im Gehirn aktiv wird, wenn eine attraktive Handlung ausgeführt oder ein Erlebnis positiv bewertet wird. Dies ist zum Beispiel der Fall, wenn ein Beitrag, der selbst in ein soziales Netzwerk gestellt wird, von anderen Nutzern mit positiver Beachtung wertgeschätzt wird. Auch der Drang ständig neue Videos, Bilder oder andere Inhalte zu finden ist unter Umständen auf ein Suchtverhalten zurückzuführen.
Die Gefährdung vom Internet abhängig zu werden ist real, allerdings trifft die Diagnose "internetsüchtig" nur auf einen Bruchteil der Kinder und Jugendlichen zu. Dabei ist auf Symptome wie Unruhe in Situationen ohne Internetzugang, Schlafstörungen, Interessenverlust an Aktivitäten, die nicht mit Internetnutzung verbunden sind, zu achten. Eine hohe Nutzungsdauer allein ist nur ein Hinweis auf eine vorliegende Sucht, aber keine hinreichende Bedingung für eine gesicherte Diagnose.
Sind eigentlich nur Jungen gefährdet?
Nein. Zwar sind ein Großteil der Spielgemeinde am PC oder an Spielkonsolen Jungen, das Spiel "Sims" beispielsweise wird jedoch vorrangig von Mädchen gespielt. Mädchen tendieren mehr dazu den PC zur virtuellen Kommunikation (Chatten) zu nutzen.
Dass fünfmal so viele Jungen am PC oder an der Spielkonsole sitzen hat vermutlich mit einer geschlechtsspezifischen Umgangsweise mit Stress zu tun. Mädchen reagieren auf Stress eher problemorientiert und suchen den Kontakt und Gespräche mit Freundinnen, während Jungen eher vermeidend reagieren, also überspielen, sich ablenken oder in innere Welten verschwinden. Diese Art mit Stress umzugehen scheint zu korrespondieren mit dem Abtauchen der Jungen vor dem PC.
Welche Spiele sind besonders gefährlich?
Besonders die Rollenspiele, die online gespielt werden, verführen dazu extrem viel Zeit zu investieren. Die Hersteller lassen sich sehr viel einfallen, um den Anreiz ständig zu erhöhen und zumindest zu erhalten. So zum Beispiel eine monatliche Nutzergebühr, auch wenn sie gering ist, oder immer wieder neue Level um das Spiel zu erweitern.
Am deutlichsten ist die Gefahr natürlich bei den Glücksspielen, bei denen manche Jugendliche sich selbst und ihre Familien finanziell ruiniert haben.
Was können Eltern tun?
Es wird viel von Kindersicherungen am PC gesprochen, was bei jüngeren Kindern sicher helfen kann. Bei Jugendlichen sollte man sich jedoch nicht darauf verlassen, weil diese die Sperre oft sehr schnell zu umgehen wissen. Außerdem hilft es auch wenig, wenn die Jugendlichen dann zu Freunden oder ins Internetcafe ausweichen. Wirklich Süchtige Jugendliche würde das plötzliche Abschalten in ein selbst nicht zu bewältigendes Chaos stürzen.
Für Eltern ist es wichtig sich erst mal damit zu beschäftigen, welche Funktion der PC und die Spiele für ihr Kind haben. Welches Bedürfnis steht dahinter und was wird vielleicht dadurch kompensiert. In der Beschäftigung mit den Spielen und deren Inhalten können Eltern viel von ihren Kindern und deren Kultur kennen lernen, z.B. welchen Charakter ihr Kind ausgewählt hat und liebt. Aufschlussreich kann dann auch sein, wie das Kind auf Einschränkungen des Computers reagiert. Weicht es dann auf etwas anderes aus oder kommt es zum großen Konflikt mit Wutausbrüchen und Eskalationen. Dann wäre sicherlich fachliche Hilfe angesagt.
Aber in vielen Familien gibt es bezüglich PC-Nutzung keine klaren Regeln und Ansagen. Es hilft wenig, wenn unter der Woche die PC-Nutzung eingeschränkt ist und am Wochenende der PC exzessiv läuft. Besser wäre eine Absprache für ein Wochenkontingent, also für einen Jugendlichen zum Beispiel 8 bis 10 Stunden in der Woche. Alle Online-Spiele mit Geldeinsatz sollten bis 18 verboten werden.
Fazit
Wichtig zu beachten ist, dass das Internet für Kinder in großen Teilen eine positive Entwicklung darstellt, da auch eine große Zahl von jungen Nutzern das Internet für produktive Tätigkeiten, wie eigene Websites, Schulaufgaben und das Produzieren von eigenen Inhalten wie Musik-Mixe oder Videos nutzt. Auch für das soziale Leben in der Klasse oder im Freundeskreis ist es heutzutage geradezu elementar über das Internet in Kontakt zu bleiben. Erst wenn das Internet zum einzig beherrschenden Thema der Lebensführung wird, ist für Eltern und Lehrer eine Intervention nötig.
Ein anderer wichtiger Grund zur Nutzung des Internets ist Unterhaltung. Clips und Musik im Netz sind favorisierte Beschäftigungen. Die Nutzung erfolgt häufig in Verknüpfung mit den oben erwähnten sozialen Netzwerken. So ist es zum Einen möglich mit Freunden das zu teilen, was man selbst gern hört, aber auch sich selbst durch seinen Musikgeschmack zu profilieren.
Gefährdungen durch Internetnutzung
Diese Aspekte des Internets können durchaus als kommunikativ, interaktiv und sozial bezeichnet werden. Allerdings hat das Internet auch Schattenseiten für Jugendliche und besonders für Kinder, da viele Inhalte nicht für diese geeignet sind und/oder eine sehr starke Anziehungskraft auf diese ausüben. So ist zum Beispiel bekannt, dass sehr viele Jugendliche bereits pornographisches Material konsumieren, bevor dies für sie eigentlich zugänglich sein sollte. Das Internet bietet für Kinder und Jugendliche also erhebliche interessante Betätigungsfelder und die Verbindung mit realen Freunden eröffnet zunehmend neue Möglichkeiten nicht nur selbst Unterhaltung und Informationen zu finden, sondern auch mit anderen in Kontakt zu kommen. Da diese Aktivitäten sehr attraktiv sind und den Nutzern Spaß bringen ist es allerdings auch möglich, dass sich eine Sucht entwickelt.
Liegt eine Sucht vor?
Wie wird Internetsucht zu definieren sein? Zu allererst handelt es sich hier um eine nicht stoffgebundene Sucht, ähnlich der Kauf- oder Spielsucht. Diese Süchte haben gemeinsam, dass das Belohnungszentrum im Gehirn aktiv wird, wenn eine attraktive Handlung ausgeführt oder ein Erlebnis positiv bewertet wird. Dies ist zum Beispiel der Fall, wenn ein Beitrag, der selbst in ein soziales Netzwerk gestellt wird, von anderen Nutzern mit positiver Beachtung wertgeschätzt wird. Auch der Drang ständig neue Videos, Bilder oder andere Inhalte zu finden ist unter Umständen auf ein Suchtverhalten zurückzuführen.
Die Gefährdung vom Internet abhängig zu werden ist real, allerdings trifft die Diagnose "internetsüchtig" nur auf einen Bruchteil der Kinder und Jugendlichen zu. Dabei ist auf Symptome wie Unruhe in Situationen ohne Internetzugang, Schlafstörungen, Interessenverlust an Aktivitäten, die nicht mit Internetnutzung verbunden sind, zu achten. Eine hohe Nutzungsdauer allein ist nur ein Hinweis auf eine vorliegende Sucht, aber keine hinreichende Bedingung für eine gesicherte Diagnose.
Sind eigentlich nur Jungen gefährdet?
Nein. Zwar sind ein Großteil der Spielgemeinde am PC oder an Spielkonsolen Jungen, das Spiel "Sims" beispielsweise wird jedoch vorrangig von Mädchen gespielt. Mädchen tendieren mehr dazu den PC zur virtuellen Kommunikation (Chatten) zu nutzen.
Dass fünfmal so viele Jungen am PC oder an der Spielkonsole sitzen hat vermutlich mit einer geschlechtsspezifischen Umgangsweise mit Stress zu tun. Mädchen reagieren auf Stress eher problemorientiert und suchen den Kontakt und Gespräche mit Freundinnen, während Jungen eher vermeidend reagieren, also überspielen, sich ablenken oder in innere Welten verschwinden. Diese Art mit Stress umzugehen scheint zu korrespondieren mit dem Abtauchen der Jungen vor dem PC.
Welche Spiele sind besonders gefährlich?
Besonders die Rollenspiele, die online gespielt werden, verführen dazu extrem viel Zeit zu investieren. Die Hersteller lassen sich sehr viel einfallen, um den Anreiz ständig zu erhöhen und zumindest zu erhalten. So zum Beispiel eine monatliche Nutzergebühr, auch wenn sie gering ist, oder immer wieder neue Level um das Spiel zu erweitern.
Am deutlichsten ist die Gefahr natürlich bei den Glücksspielen, bei denen manche Jugendliche sich selbst und ihre Familien finanziell ruiniert haben.
Was können Eltern tun?
Es wird viel von Kindersicherungen am PC gesprochen, was bei jüngeren Kindern sicher helfen kann. Bei Jugendlichen sollte man sich jedoch nicht darauf verlassen, weil diese die Sperre oft sehr schnell zu umgehen wissen. Außerdem hilft es auch wenig, wenn die Jugendlichen dann zu Freunden oder ins Internetcafe ausweichen. Wirklich Süchtige Jugendliche würde das plötzliche Abschalten in ein selbst nicht zu bewältigendes Chaos stürzen.
Für Eltern ist es wichtig sich erst mal damit zu beschäftigen, welche Funktion der PC und die Spiele für ihr Kind haben. Welches Bedürfnis steht dahinter und was wird vielleicht dadurch kompensiert. In der Beschäftigung mit den Spielen und deren Inhalten können Eltern viel von ihren Kindern und deren Kultur kennen lernen, z.B. welchen Charakter ihr Kind ausgewählt hat und liebt. Aufschlussreich kann dann auch sein, wie das Kind auf Einschränkungen des Computers reagiert. Weicht es dann auf etwas anderes aus oder kommt es zum großen Konflikt mit Wutausbrüchen und Eskalationen. Dann wäre sicherlich fachliche Hilfe angesagt.
Aber in vielen Familien gibt es bezüglich PC-Nutzung keine klaren Regeln und Ansagen. Es hilft wenig, wenn unter der Woche die PC-Nutzung eingeschränkt ist und am Wochenende der PC exzessiv läuft. Besser wäre eine Absprache für ein Wochenkontingent, also für einen Jugendlichen zum Beispiel 8 bis 10 Stunden in der Woche. Alle Online-Spiele mit Geldeinsatz sollten bis 18 verboten werden.
Fazit
Wichtig zu beachten ist, dass das Internet für Kinder in großen Teilen eine positive Entwicklung darstellt, da auch eine große Zahl von jungen Nutzern das Internet für produktive Tätigkeiten, wie eigene Websites, Schulaufgaben und das Produzieren von eigenen Inhalten wie Musik-Mixe oder Videos nutzt. Auch für das soziale Leben in der Klasse oder im Freundeskreis ist es heutzutage geradezu elementar über das Internet in Kontakt zu bleiben. Erst wenn das Internet zum einzig beherrschenden Thema der Lebensführung wird, ist für Eltern und Lehrer eine Intervention nötig.
Es wird viel über Sucht gesprochen: Was bedeutet Sucht in diesem Zusammenhang?
So wappnen sich Kinder gegen Suchtgefahr

